Lebensformen

Dem GBM liegt das Modell des Lebens und Lernens zu Grunde. Es wurde von Prof. Werner Haisch theoretisch (Modell der Lebensformen) und praktisch (Methodik und Technik der Bedarfs- und Aufwandberechnung) konzipiert und entwickelt. Das Modell ist in sieben Lebensformen gegliedert: Pflege/Selbstpflege, Selbstbewegung, Betätigung, Gewohnheit, Gestaltung, Mitteilung/Kognition, Soziale Beziehungen.

Diese Lebensformen prägen das Leben jedes Individuums. Sie stehen in einer völligen Gleichwertigkeit, also ohne hierarchische Gliederung, nebeneinander. Die Fähigkeiten, Kenntnisse und Erfahrungen der einzelnen Individuen unterscheiden sich für die verschiedenen Lebensbereiche und prägen durch diese Unterschiedlichkeit wiederum das Individuum. Das Normalisierungsprinzip zielt darauf ab, das Leben der Betreuten zu bereichern und die Menschen zu einer möglichst hohen Selbstständigkeit und Eigenverantwortlichkeit zu befähigen.

Grundsätze

Einheitlichkeit betreuerischen Handelns
Betreuungsspezifische Leistungen in allen Lebensbereichen der Menschen mit Behinderungen (Wohnbetreuung, tagesstrukturierende Massnahmen, pädagogisch/therapeutische Fachdienste; Betreuung in Eingliederung, Tagesstätten und Werkstätten) werden in einem einheitlichen Instrumentarium begründet und beschrieben.

Fachliche Konzeption von Betreuung
Zentral ist der Eigenwert jeder Lebensform: Auch die Lebensformen, die keine messbare Leistung zum Ziel haben, besitzen einen Wert in sich selbst und besitzen einen Selbstzweck. Förderung dient der Bereicherung der vorhandenen Lebensform und stellt somit die Grundlage für die Weiterentwicklung des Menschen im Rahmen seiner Möglichkeiten dar. Das fachliche Konzept beschreibt die Allgemeinheit und somit Normalität der Lebensformen und löst die Unterscheidung von behinderungsspezifischem und nicht behindertem Leben auf.

Bestimmung des individuellen Hilfebedarfs
Der individuelle Hilfebedarf wird in individuellen Leistungspaketen qualitativ und quantitativ beschrieben. Die Leistungen zielen auf Selbstständigkeit, Wahlfreiheit und Lebensqualität für den betreuten Menschen. Der Betreuungsplan beschreibt auf operationaler Ebene die Aktivitäten des täglichen Lebens und die notwendigen Kompensationsmassnahmen. Er hat das Ziel, die Organisation der Betreuung nach Bedarfskriterien im Rahmen der zur Verfügung stehenden Ressourcen zu gestalten und zu sichern.

Minimumprinzip
Das Minimumprinzip besagt, dass eine Institution versuchen muss, mit den ihr zur Verfügung stehenden Mitteln die Leistung zu erbringen, die den Bedarf deckt. Das Minimumprinzip verhindert die ungesteuerte Ausdehnung von Bedürfnissen und Angeboten. Es zwingt dazu, Prioritäten zu setzen, es verlangt aber auch eine Reflexion der Betreuenden darüber, welche Leistung sie qualitativ und quantitativ verantworten wollen, und von welcher Grenze an, sie eine bestimmte Leistung oder das Leistungsniveau nicht mehr verantworten könnten.

Wissenschaftliche Abstützung

Das dem Verfahren zugrundeliegende wissenschaftliche Modell ist validiert, es entspricht den Kriterien der Offenheit sowie der Überprüfbarkeit und ist universell nachvollziehbar. Deshalb ist das GBM in Institutionen mit unterschiedlichen Betreuungsansätzen einsetzbar. Die Methodenqualität wird über die Schulung sichergestellt. Die Anwendung des Verfahrens erfordert das theoretische Grundverständnis und dessen professionelle Umsetzung.

Evaluation

Der Einsatz des GBM in der Schweiz wurde im Auftrag des Kantons Zürich von KPMG-Fides (Peter Dolder) von 2001 bis 2003 evaluiert. Einige der wesentlichen Schlussfolgerungen des Evaluationsberichts lauten:

Entwicklung der Transparenz der Leistungen
Die betreuerischen Leistungen der Institutionen werden in einer neutralen und intersubjektiven Datengrundlage abgebildet, deren Vergleichbarkeit durch das Hinterlegen von Standards weiter erhöht werden kann. Dadurch werden die Leistungen transparent und nachvollziehbar. Schliesslich ist entscheidend, dass das GBM eine hohe Vergleichbarkeit der Gruppen und Einrichtungen sicherstellt.

Auswirkungen im Bereich der Qualitätssicherung
Das GBM führt auf verschiedenen Ebenen zu Qualitätsverbesserungen. Namentlich erwähnt seien die treffende Erhebung des Hilfebedarfs, die Adäquanz der Betreuung, die Wirkung auf die Betreuten und die qualifikatorische Wirkung auf die Mitarbeitenden ohne sozialpädagogische Ausbildung. - Der Einsatz des GBM zur Sicherung der Prozess- und der Ergebnisqualität ist möglich.

Steigerung der Effizienz
Die schlüssig erscheinenden Hinweise der Institutionen auf Effizienzsteigerungen haben wir im Bericht aufgenommen. Ein belegter Nachweis von Effizienzsteigerungen ist anhand des gegebenen Datenmaterials allerdings nicht möglich. Hierzu ist eine längere Beobachtungszeit und eine sorgfältige Kontrolle der intervenierenden Variablen notwendig.

Steigerung der Effektivität
Die gesteigerte Effektivität schlägt sich namentlich in der höheren Bedarfsgerechtigkeit der Betreuung und im besseren Greifen der Fördermassnahmen nieder.

Auswirkungen auf die Motivation und die Zufriedenheit der Mitarbeitenden
Mehrfach wird explizit darauf hingewiesen, dass die Arbeit mit den Behinderten durch das GBM professioneller erlebt wird und dieses die Bestrebungen unterstützt, dem bisherigen ungünstigen Image der pädagogisch-betreuenden Berufsgruppe entgegenzuwirken. Auch dies unterstützt die Identifikation mit Beruf und täglicher Arbeit.

Flexibilität
Eine Stärke des GBM liegt in seiner hohen Flexibilität in Anwendung und Umsetzung. Die befragten Versuchsbetriebe konnten je individuelle und für sie stimmige Zugänge und Umsetzungen finden. Auch wenn der Weg dazu in einigen Betrieben aufwändig war, bezeichnen heute alle Betriebe das GBM als akzeptiertes und von den Mitarbeitenden getragenes Instrument.